Nicht als Jägerlatei, nicht als Aufruf zum Wildern, nicht als scheinheiliges
Buch der Reue und der Beschönigungen. Sondern eben als Welt und Bühne
der Leidenschaft. In Draufgängertum und als Welt der Risikem und
des Wagnisses. Wenn Schulklassen den Wilderer lesen, dann nicht,
um Wilderer heranzuzüchten, sondern weil sie in ihm der eigenen gärenden,
leidenschaftlichen und jugendlichen Seele begegnen.
Faszinierende Bücher sind Bücher der Zwischenwelt. Nicht akademisch
und sorgsam stilisierte Werke, sondern Werke am Rande der Seele,
den schmalen Grat zwischen Abgründen entlang. Werke der Grauzone
und Ausbruchswerke in die Sehnsucht und in die Betroffenheit hinein.
Jack the Ripper fesselt nicht, weil alle Leser Frauenaufschlitzer
werden möchten. Es fesselt das Unheimliche der Nacht. Eberhöfer spricht
diese Welten der Seele als Welt der Urinstinkte an. Mit dem überzeugenden
Hintergrund: Im grössten Wildererparadies Europas hat sich manches
ereignet. Die Dramatik ist nicht gespielt. Sie ist wahr in ihren
Gefühlen und echt in den vielen Episoden. Der Sinn des Wildereres
ist auch nicht, Jägerehre zu verletzen. Schweizer Aufseher drüben
und Tiroler Landsleute herüben zu düpieren. Der Sinn ist ganz einfach:
das leidenschaftlichste Jagdbuch der Welt.
Zum Hintergrund
Die Szenen des Buches haben sich im Nationalpark Stilfserjoch, der
an der Grenze zwischen Italien (ein grosser Teil liegt in Südtirol)
und der Schweiz, ereignet. Der Bevölkerung wurde vor 20 jahren die
Jagd im Nationalpark untersagt: "Wen wundert es da, dass der handwerker,
der Bauer, der Student, ja selbst der Pfarrer zum Wilderer wird?"
Anfragen der Jägerschaft an die Landesregierung bezüglich einer sinnvollen
Regulierung bleiben bis zum Erscheinen dieses Buches ohne Resonanz.
Und neben der "Wilderei" wird die Wildregulierung seit einigen Jahren
durch "behutsame Wildentnahme" vollzogen. Das Wild wird aus den Ruhegebieten
herausgetrieben, und auf alles wird geschossen: "Da liegen sie dann,
die Mütter ohne ihre Kleinen: Die Kleinen rufen dann noch tagelang
nach ihren Müttern, nur die Natur hört ihr Weinen." Eine Selektion
nach Muttertier oder Alter wird nicht vorgenommen - hier zählen nur
die Stückzahlen. Aber werden die gewilderten Tiere berücksichtigt.wohl
eher nein? Dies belegt auch die Statistik der Verbissschäden.
Im Nationalpark Stilfserjoch wird intensive Forstwirtschaft betrieben,
Skilifte werden noch heute genehmigt, es werden Strassen gebaut,
aber mit den Jägern ist seit Jahren keine vernünftige Lösung zu finden,
wie es in anderen Naturparks erfolgreich praktiziert wird.
Der Autor hofft mit diesem Buch eine konstruktive Diskussion zu entfachen
über die derzeitigen Zustände im Nationalpark Stilfserjoch, unter
Einbeziehung der Bevölkerung, die zu für alle akzeptablen Lösungen
zum Wohle des Parks führen.
Selbst der Schweizer Wildbiologe und Direktor des Nationalparks Zernez,
Prof. Heinrich Haller, hält die Forderungen der Jäger für berechtigt
und sprach sich in einem Interview in der Südtiroler "Tageszeitung"
für eine "gerechte Jagd" im Nationalpark Stilfserjoch aus und forderte
alle Beteiligten auf, das "Wildererbuch" als Grundlage für eine Diskussion
herzunehmen.
Der Autor
Horst Eberhöfer, Jahrgang 1968, ist in Schlanders als Sohn eines
Revierleiters geboren und in Prad am Stilfserjoch aufgewachsen.
Er ist Vater von zwei Kindern und lebt mit seiner Familie in Rifair
im Münstertal. Der gelernte Maler besuchte nach seiner Ausbildung
die Meisterschule in Innsbruck und führt seinen Betrieb in Prad mit
acht Mitarbeitern.
Mittlerweile kann er durch einen Ortswechsel wieder legal jagen.
Von seinen Hobbies Sportschiessen, Laufen, Skitouren und Jagen, ist
die Jagd sein leidenschaftlichstes Hobby.